Abschnitt „Haushalt und Wirtschaft “ im Kommunalwahlprogramm 2011 DIE LINKE. Braunschweig
Vorschlag der Programmgruppe des Kreisverbandes an die Mitgliederversammlung vom 11. Juni 2010
Redaktion: H-G.Hartwig
Stadt in Finanznot - Gegen den Ausverkauf der Stadt an Konzerne
Die Finanzlage der Kommunen wird von Jahr zu Jahr verschlechtert. Zugleich versuchen Bund und Land den Kommunen immer mehr Aufgaben zuzuschieben, ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich. Die verfehlte Steuerpolitik der letzten Bundesregierungen, zugunsten von Kapital und Vermögen, brachte die Kommunen vollends in ein finanzielles Fiasko. Daraus kann sich keine Kommune selbst befreien – auch nicht Braunschweig.
Den Behauptungen der schwarz-gelben Ratsmehrheit über ein „Braunschweiger Haushaltswunder“ schlagen die Tatsachen ins Gesicht: Die finanzielle Situation Braunschweigs hat sich dramatisch verschlechtert.
Von den Einnahmen aus den von CDU, SPD und FDP beschlossenen Privatisierungen in Höhe von knapp 600 Mio. Euro werden am Ende des Jahres 2011 voraussichtlich nur noch ca. 25 Mio. Euro übrig sein.
Es ist dass eingetreten, was DIE LINKE. schon immer vertreten hat: Privatisierungen bedeuten lediglich kurzfristige Haushaltsentlastungen. Mittel- und langfristig wirken sie verheerend, da die Einnahmen der nun privatisierten Bereiche fehlen.
Die öffentlichen Gebäude Braunschweigs befinden sich in einem katastrophalen Zustand. Allein im Bereich der Schulen wird der Sanierungsstau auf mindestens 200 Mio. Euro beziffert. Darüberhinaus führte die zuvor beschriebene Politik von Land und Bund dazu, dass allein im Jahr 2010 rund 100 Mio. Euro im Finanzhaushalt der Stadt gefehlt haben.
Dazu kommen Beschlüsse von CDU, SPD und FDP über unsinnige Großprojekte wie zum Beispiel Spaßbad und Landebahnverlängerung am Flughafen sowie ausufernde Kosten für Privatisierungsberater wie KPMG im Millionenbereich. Das sind die wesentlichen kommunalen Gründe, die zum totalen Scheitern der Finanzpolitik der Stadt in den letzten Jahren geführt haben.
DIE LINKE. hat andere Vorstellungen. Wir werden auch zukünftig alle weiteren Privatisierungen der Daseinsvorsorge ablehnen und alles dafür tun, um privatisierte Bereiche wieder in das Eigentum der Stadt zurückzuführen, damit die Stadt wieder Einnahmen hat und nicht von Konzerninteressen bestimmt wird.
Die durch falsche Politik der bürgerlichen Parteien in Bund, Land und Stadt, nun knappen Finanzmittel der Stadt wollen wir zielgerichtet im Sozialbereich, für Bildung, Kultur und Breitensport einsetzen.
„Public-private partnership“ oder auch ÖPP-Öffentlich-privaten Partnerschaft ist eine Form der Privatisierung von Öffentlichen Diensten. In Braunschweig soll die Sanierung und der Unterhalt von 7 Schulen und 2 Kindertages-stätten für 25 Jahre an einen Baukonzern vergeben werden. Der Baukonzern nimmt für die Sanierung einen Kredit bei der Bank auf und die Stadt muss dafür 25 Jahre lang Miete zahlen. Natürlich einschließlich eines Gewinns für den Baukonzern! Tatsächlich ist das nichts anderes als eine verdeckte Verschuldung der Stadt. Ferner würden 2/3 der Finanzmittel die jährlich durchschnittlich für Schulsanierung zur Verfügung stehen, für 25 Jahre an 10% der Schulen gebunden. Kurz die Masse der Schulen bliebe im Regen stehen.
Darum lehnt DIE LINKE auch diese Form der Privatisierung ab.
Am Ende zahlt die Kommune - und damit alle EinwohnerInnen - einen hohen Preis: Die Leistung wird schlechter, die Preise steigen, die Kommune wird gelähmt und hat weniger bis gar nichts mehr zu melden. So erging es bei der sog. Privatisierung der vormals zu 100% den EinwohnerInnen gehörenden Stadtwerke, einem Ausverkauf an den multinationalen Konzern „Veolia“ (zu 75%)- seitdem steigen die Preise und Investitionen in das Leitungsnetz oder auch Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen (Solar, Wind usw.) unterbleiben. Die kommunalen PolitikerInnen im Kontrollgremium könnten zwar kritisieren, aber am Ende hat „Veolia“ das Heft in der Hand. Ein anderes Beispiel ist die Privatisierung der Stadtreinigung und ihr Verkauf an „ALBA“. Die Stadt erzielte eine kurzfristige Einnahme, aber die Einwohner der Stadt müssen mit ihren Gebühren diesen Privatisierungsgewinn an ALBA zurückzahlen. Die Beschwerden über mangelhafte Leistungen von ALBA, nicht zuletzt beim Winterdienst häufen sich. DIE LINKE. Braunschweig hat diese Entwicklungen stets entschieden abgelehnt und kritisiert.
Oberbürgermeister Hoffmanns Kürzungsprogramm hat sich äußerst negativ vor allem auf den Sozialbereich und die Basiskultur ausgewirkt. Nachdem es auch unter der Ratsmehrheit von SPD und Grünen unsoziale Kürzungsprogramme gegeben hat, wurde dieses unter OB Hoffmann für viele eine existentielle Bedrohung. Die grundlegende finanzpolitische Überlegungen DER LINKEN Braunschweig basieren auf dem Gedanken der sozialen Gerechtigkeit. Dementsprechend wollen wir die Umverteilung von Unten nach Oben, stoppen und, wenn möglich, umkehren. Wie auch in der Vergangenheit, ist dabei jeder Euro, den DIE LINKE. mehr ausgeben möchte, beim Sozialen, der Bildung, bei Kultur und Sport, gedeckt durch Einsparungen an anderer Stelle.
DIE LINKE spricht sich gegen eine besondere Bezuschussung der Eliteeinrichtungen „Internationale Schule“ und „Welfenakademie“ aus. Dass der Braunschweiger Tennis- und Hockey Club mit den höchsten Zuschuss bei den Sportvereinen erhält, erscheint uns nicht angemessen. Den verdeckten Zuschuss für den Bund der Vertriebenen lehnt DIE LINKE genauso ab, wie den für die Parkplätze der VW Halle. Wobei die VW Halle an sich nach wie vor ein Problem darstellt. Zum einen durch die Konkurrenz mit der Wolfsburger Halle, zum anderen durch die Zuschüsse für Rückkauf und Betrieb, die jedes Jahr rund 2 Mio. Euro ausmachen. DIE LINKE. Braunschweig spricht sich dafür aus, die Rückkaufoptionen zu verändern, um zu Einsparungen zu kommen.
Wir werden Druck gegenüber der Landesregierung in Bezug auf den für Braunschweig ungerechten Staatstheatervertrag machen, um zu Kosteneinsparungen beim Staatstheater zu kommen. Und auch der Hebesatz der Gewerbesteuer ist für DIE LINKE. kein Tabu. Wenn dafür im Vergleich zu anderen Städten Spielraum besteht, werden wir eine stärkere Besteuerung der Unternehmensgewinne in unsere Bemühungen um ein soziales Braunschweig mit einbeziehen. Eine Erhöhung des Grundsteuer-Hebesatzes kommt für DIE LINKE. nicht in Frage, da sich diese auch nachteilig auf die Mieten auswirken würde.
Anders als bisher will DIE LINKE zukünftig die Baulandpolitik gestalten. Entstehende Gewinne durch das Ausweisen von Bauland sollen zukünftig ausschließlich von der Stadt Braunschweig abgeschöpft und in sozialer Infrastruktur investiert werden. In der Diskussion um den städtischen Haushalt will DIE LINKE.Braunschweig einen ganz neuen Weg beschreiten. Der Haushalt der Stadt Braunschweig ist das Eigentum der Braunschweigerinnen und Braunschweiger.
In der Diskussion um den städtischen Haushalt will DIE LINKE. Braunschweig einen ganz neuen Weg beschreiten. Der Haushalt der Stadt Braunschweig ist das Eigentum der Einwohner der Stadt.
Und DIE LINKE. will, dass die Einwohner entscheiden über „ihren Haushalt“. Nach dem Vorbild von Porto Allegro und einem entsprechenden Pilotprojekt in Berlin sind wir für die Einführung eines „Bürgerhaushaltes“. Auf Grundlage eines Produkthaushaltes, der den Bereich der sogenannten freiwilligen Leistungen umfasst, sollen die Braunschweigerinnen und Braunschweiger selbst entscheiden, was in Braunschweig finanziert wird und was nicht.
Kommunale Wirtschaft stärken – Daseinsvorsorge wiederherstellen
Ohne ausreichende, existenzsichernde Arbeits- und Ausbildungsplätze ist Braunschweig weder lebens- noch zukunftsfähig. Deshalb muss die Stadt, um dieses Ziel zu erreichen, künftig erheblich mehr leisten. Dazu gehört die Schaffung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors.
Hierbei geht es um die Sicherung dauerhaft notwendiger Tätigkeiten – wie kulturelle Angebote, Projekte der Jugendarbeit oder Dienstleistungen
für Seniorinnen und Senioren – die für eine Verbesserung der Lebensqualität notwendig sind. Weder Hartz IV noch ein moderater Konjunkturaufschwung werden das Ende der Massenarbeitslosigkeit bewirken können. Insofern gibt es keine Alternative zu einem öffentlich geförderten Sektor, in dem gesellschaftlich notwendige Arbeit erledigt wird, für die es kein privatwirtschaftliches Interesse gibt.
DIE LINKE sieht in der Kommunalwirtschaft eine tragende Säule der kommunalen Selbstverwaltung Braunschweigs. Diese wollen wir ausweiten. Es ist uns bewusst, dass sich diese Zielsetzung aufgrund der Privatisierungsorgie der vergangenen Jahre nur schwer umsetzen lassen wird. Die entscheidende Aufgabe sieht DIE LINKE. Braunschweig darin, die Braunschweiger Stadtwerke wiederherzustellen. Dem Querverbund gilt es, selbst mit Minderheitsanteilen an der Versorgungs AG, zu erhalten. Wir werden alles versuchen, den privaten Einfluss zurückzudrängen und anschließend die Braunschweiger Stadtwerke zu regionalisieren, um die Spielräume des Örtlichkeitsprinzips, welches eine wirtschaftliche Betätigung der Kommunen über ihre Ortsgrenzen hinaus verbietet, für die kommunale Wirtschaft auszuweiten.
Stadtreinigung ist nicht nur eine wirtschaftliche Betätigung, sondern gehört auch zur kommunalen Daseinsvorsorge. Deshalb wird DIE LINKE. alles versuchen auch hier öffentliche Mitsprache wieder zu ermöglichen.
Gleiches gilt für das Stadtmarketing. Hier wollen wir nicht nur die Ausgliederung rückgängig machen, sondern mit einer Anbindung an den Bürgerhaushalt direkte Mitsprache ermöglichen, ob und wie sich Braunschweig präsentiert.
Wirtschaftsförderung wollen wir neu definieren. Die in den letzten Jahren stattgefundene Verdreißigfachung der Wirtschaftsförderung, welche mit Ausnahme DER LINKEN von allen Parteien mitgetragen wurde, ist im Ergebnis völlig erfolglos geblieben. Sie wird es auch bleiben, solange die interkommunale Konkurrenz der entscheidende Maßstab der Beziehungen der Kommunen im Braunschweiger Land bleibt. Erst die Abschaffung dieses Konkurrierens um die Wirtschaft macht den Weg frei für eine bessere Ansiedlungspolitik. Diesen Weg will DIE LINKE. gehen. Weil Aufhebung und Ausweitung der Ladenöffnungszeiten bedeutet, dass der Druck auf die Beschäftigten wächst und kleine und mittlere Geschäfte nicht mithalten können, wird dies von uns abgelehnt. Auch die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel, begünstigt diese negative Entwicklung. Deshalb steht DIE LINKE solchen Projekten eher kritisch gegenüber.
Braunschweig und Umgebung haben sich als Region mit einer erheblichen Anzahl naturwissenschaftlicher Bundesanstalten und Forschungseinrichtungen profiliert. DIE LINKE will eine kritische Begleiterin der rasanten Entwicklung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse sein. Gleichzeitig will DIE LINKE auch die geisteswissenschaftlichen Einrichtungen in Braunschweig und Umgebung stärker gefordert und gefördert wissen.
Die human- und die gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten der TU, Forschungseinrichtungen und Institute haben die Gelegenheit zu zeigen, dass sie die Menschen erreichen und im Sinne unseres Grundgesetzes zu einem sozialen und solidarischen, die Werte der Menschlichkeit beachtenden Gemeinwesen beeinflussen können.
Braunschweig ist eine Stadt mit durchwachsener Wirtschaftsstruktur- neben einem vergleichsweise hohen Anteil an produzierendem Gewerbe- so z. B. VW- sind wir auch der Ort, an dem Dienstleistungen erbracht (Banken,
Informationstechnologie, Versicherungen; Kreativwirtschaft wie Theater, Musik und Werbeagenturen; Hotellerie und Gastronomie) und erdacht (TU, HbK; diverse weitere renommierte Forschungseinrichtungen wie z. B. Helmholtz-Institut oder DLR) werden. DIE LINKE. Braunschweig will die Wirtschaft vor Ort stärken, dabei jedoch soziale und ökologische Aspekte nicht nachrangig behandeln. Darin ist auch unsere Förderpolitik am Wohl der Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU) orientiert, da sie eher ausbilden als „outsourcen“ und zudem das Handeln der KMU vor Ort zum Einen in gewissen Grenzen positiv beeinflussbar ist und zum Anderen in der Regel allen EinwohnerInnen nützlich ist.
