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24. November 2014  

Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen

Wieder jährt sich der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen, den die UNO 1993 zum ersten Mal ausgerufen hat.  Sie hat damit den Staaten der Welt auf die Agenda geschrieben, dass „jede gegen Frauen auf Grund ihrer Geschlechtszugehörigkeit gerichtete Gewalthandlung“ zu ahnden ist, „durch die Frauen körperlicher, sexueller oder psychologischer Schaden oder Leid zugefügt wird oder zugefügt werden kann, einschließlich der Androhung derartiger Handlungen, der Nötigung und der willkürlichen Freiheitsberaubung, gleichviel ob im öffentlichen oder im privaten Bereich.“ (Art. 1. der UNO Resolution)

Wieder ist der Tag Anlass darauf hinzuweisen, dass Gewalt an Frauen weltweit eher zu- als abnimmt; dass ihre Formen auf der einen Seite immer brutaler werden (aktueller Höhepunkt die IS-Gewalt); dass sie auf der anderen Seite (in den zivilgesellschaftlich eingehegten Gesellschaften wie unserer) auf immer subtilere Weise und gern im Mantel der Selbstbestimmung daherkommen, in denen Frauen oft selbst ungewollt zu Akteurinnen ihrer Unterdrückung werden. 

„Je älter ich werde, desto unerträglicher erscheint mir die Brutalität, die überall auf der Welt herrscht, ungebremst, uneingeschränkt, kaum von der Politik bekämpft, sehr oft von der Politik geduldet und unterstützt. Und die Täter sind fast ausschließlich Männer. Sie bestimmen, wann und wo Kriege geführt werden, wie viele dabei sterben. Sie bestimmen, wie viel Freiraum Frauen haben können. Sie herrschen unbehelligt über Frauen, bestimmen, wie sie sich anziehen, wie sie sich benehmen, ob sie Auto fahren, ob sie sich frei bewegen, ob sie Berufe ausüben dürfen. Viele Frauen versuchen mit großer Tapferkeit, ihre Freiräume zu nutzen und weitere zu erkämpfen, stellen aber die Terrorherrschaft des Mannes nicht grundsätzlich in Frage. In Deutschland (als Beispiel für eine Nation als Teil der kapitalistisch orientierten demokratisch aufgestellten Industriestaaten) findet die Gewalt subtiler - statt. Gewalttätige Väter, vergewaltigende Onkel oder Stiefväter, die Frauen in Gefangenschaft halten, sind manifeste Auswüchse einer auf allen Ebenen existierenden Erlaubnis zur Geringschätzung und Unterdrückung von Frauen und
ihren Interessen.“ (Christine Lehmann, Jg. 1958, in: Briefe aus der Ferne, hrsgg. v. Frigga Haug, 2008, 179f.)

Die LINKE ruft dazu auf, bei der jährlichen Fahnenaktion von Terres de Femmes  mitzumachen. Das diesjährige Motto passt auch zu Christine Lehmanns Analyse: Schluss mit Sexismus in der Werbung, denn frauenfeindliche Werbung ist auch eine Form von Gewalt!

Aber das reicht für LINKE Politik nicht über den Tag hinaus. Wir sollten uns anstecken lassen von Christine Lehmanns Wut und viel lauter und deutlicher skandalisieren: Gewalt an Frauen ist männlich (wie im übrigen auch Mord, Totschlag, körperliche Angriffe und Nötigungen, vgl. Statistisches Bundesamt, Jahrbuch 2014, 308). Aber es ist an der Zeit, dass diese Wut gegen männliche Gewalt auch unsere Genossen – ob mit oder ohne Sternchen* - ergreift. Wir alle sind in unterschiedlicher Weise Opfer und Täter in den kapitalistischen  Gewaltverhältnissen, die auf (sexistischen) Geschlechterverhältnissen aufliegen und durch sie gestützt werden. Diese Verhältnisse können wir nur in gemeinsamer Anstrengung aller Geschlechter versuchen umzuwälzen. Dazu müssen wir uns alle verändern.

„Ohne die Selbsterziehung der Männer und die Selbstermächtigung der Frauen gibt es keine menschliche Emanzipation.“ (Frigga Haug, Das Argument 288, 192)

Jutta Meyer-Siebert, Landesvorstand, Schwerpunkt feministische Politik

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